Das Zwiebel-Prinzip

 


Veronika Schubert teilt ihr Wissen über Zwiebelblumen in der aktuellen Siedlerzeitung

Die ersten Knospen brechen auf, aber es dauert noch, bis sich das Blätterdach schließen wird. Genau dann ist der richtige Zeitpunkt für Zwiebelblumen, die in der Frühlingssonne wie die Schwammerln aus dem Boden schießen. Kaum lugt die erste grüne Spitze heraus, sind auch schon die Stiele zu sehen. Schlag auf Schlag geht es jetzt: Die Blüten öffnen sich wie im Zeitraffer, manche klein und fein, andere opulent und leuchtend.

Mit voller Kraft voraus

Um einen solchen fulminanten Start hinzulegen und das frühe Licht unter den Gehölzen auszunützen, haben Zwiebelblumen Vorratskammern integriert. Jede davon ist ein kleines Wunder für sich: Die ganze Pflanze samt Stängel, Blättern und Blüte ist hier schon angelegt. Die fleischigen Schalen speichern zudem Nährstoffe und schützen gleichzeitig die Blütenknospe in der Mitte. Mit dieser klugen Ausstattung können Zwiebelblumen viel schneller wachsen als Pflanzen mit Wurzeln. Bis die restliche Natur erwacht und ihren Platzanspruch erhebt, sind sie bereits am Einziehen. Trotzdem blühen nicht alle Zwiebelblumen verlässlich. Tulpen verschwinden meistens, weil ihnen der Boden zu lehmig und zu feucht ist, und sie werden auch als Leckerbissen liebend gerne von Wühlmäusen gefressen. Will man sie trotzdem behalten, bleibt einem nichts anderes übrig, als jeden Herbst nachzulegen. Bei uns ist es mittlerweile zu einem Ritual geworden, dem Garten jedes Jahr einen „Zwiebelschub“ zu verpassen. Zu viele können es dabei gar nicht sein und vor allem dann nicht, wenn der Vater der Tochter eine Rüge erteilte, dass der Frühling immer karger würde … als hätte sie die Zwiebeln selbst verspeist!

Die kleinen Wilden

Nun kann man sich das Gärtnerinnen-Leben aber auch ganz leicht machen: Vor allem in einem Naturgarten, aber auch überall sonst, wo blühende Teppiche gefragt sind, wird der Frühling mit verwildernden Zwiebelblumen eingeläutet – angefangen mit Schneeglöckchen über Blausterne (Scilla bifolia), Krokusse und Winterlingen (Eranthis hyemalis) bis zu Wildtulpen und Traubenhyazinthen (Muscari armeniacum). Besonders hübsch ist auch die Puschkinie (Puschkinia libanotica). Anstatt sie zu pflanzen, lassen sich die kleinen Zwiebelchen einfach locker ausstreuen und werden lediglich mit etwas Komposterde abgedeckt. Auch danach braucht man sich um nichts mehr zu kümmern; die Wanderung durch den Garten beginnt – manchmal an Ort und Stelle mit Brutzwiebeln, manchmal in weiter entfernten Beeten durch Selbstaussaat.

 

Bildquelle: Pixabay/Petra Faltermayer